Leserbrief an die FLZ, zu Bericht über Jahresversammlungen der Feldgeschworenen in Sugenheim und Uffenheim
Sachkundenachweis erforderlich!
Man muss sich echt wundern, mit welcher Verbissenheit eine längst überfällige Modernisierung des Siebenerwesens verhindert wird. Wenn man schon die letzten Reste von Feudalstrukturen beibehalten und eine 500 Jahre alte Tradition unverändert weiterführen will, sollte von allen Besuchern der Feldgeschworenen- versammlungen verlangt werden, auch die Fortbewegungsmittel von damals zu benützen. Wenn alle zu Fuß kommen müssten, wäre der Reformstau in kürzester Zeit beseitigt.
Es hat wenig mit Bürgernähe zu tun, wenn ein Landrat erst nach einer Klage beim Verwaltungsgericht merkt, dass Flurgänge zeitnah durchgeführt werden müssen. Genauso unverständlich ist es, dass das Landratsamt NEA weit überzogene Kosten für das aufdecken von Grenzstein sogar noch rechtfertigt. Uffenheims Bürgermeister Schöck spricht von friedlichen Lösungen, schafft es jedoch nicht, eine Zwangsvollstreckungsklage wegen Siebenergebühren gegen einen Mitbürger innerhalb 6 Monaten zu begründen. Ein Siebenerobmann wird trotz gerichtlich festgestellter offensichtlicher Amtspflichtverletzung in Amt und Würden gehalten. Wir halten es für nicht nachvollziehbar, wenn die Stadt Uffenheim und der Landkreis NEA einen Flurgang beantragen, selber jedoch nicht daran denken, ihre eigenen Grenzsteine aufzudecken.
Vom Finanzministerium wurde bereits 2006 mitgeteilt, dass Flurgänge in der bisher praktizierten Form nicht rechtskonform sind. Es verwundert, dass dieser eindeutige Hinweis bisher einfach ignoriert wurde.
Es sollte dringendst ein Sachkundenachweis für Siebener eingeführt werden. Allein durch Erbfolge, interne Wahl und Vereidigung auf ein dann lebenslang gesichertes Ehrenamt ist noch niemand zum Friedensstifter und Vermessungsexperten geworden. Es stellt sich immer wieder heraus, dass viele Siebener keine Ahnung vom Abmarkungsgesetz und sonstigen Vorschriften haben.
Es stimmt einfach nicht, dass Siebener nur Kosten sparen helfen. Die Flurgänge inklusive Verwaltungskosten bewirken für die Gemeinden horrende Kosten, genauso ist es mit den Arbeitskosten für die Landwirte.Niemand will die Siebener abschaffen, das setzen von Grenzsteinen soll weiterhin ein Privileg der Siebener bleiben.
Eine Lösung des Problems könnte darin bestehen, dass die Siebener alle wichtigen Grenzsteine auf Kosten der Gemeinden aufdecken. Um keine Kostensteigerungen zu bewirken, könnte man auf einen sechs- bis zehnjährigen Turnus übergehen. Grünwege und Bankette könnten mit geringem Aufwand jährlich kontrolliert werden.
Friedrich Weiß, Rudolzhofen/Uffenheim
Richard Müller, Berolzheim/Bad Windsheim
Werner Ernst, Mainbernheim